Rundgang 1:
Cortona
(11 km - 15 Minuten)

CortonaDer Ursprung von Cortona verliert sich in grauer Vorzeit: Der Mythus der Gründung von Dardanos wird heute immer noch auf einer der wichtigsten Straßen der Stadt gedacht. Nachher zog der Held zu den asiatischen Regionen von Pontos, so dass er sowohl Troja als auch die Dynastie begründen konnte; und zwar die Dynastie von Äneas, der nach Italien zurückgekommen war, nachdem er dem von Homer erzählten Krieg fern gehalten worden war. Auf seiner Abstammung wurde Rom gegründet, dessen kaiserliche Macht dank Julio Caesar die ganze Welt beherrschte, der der Adel seiner eigenen Gens Giulia aus Lulo – Äneas Sohn – hatte zurückgehen lassen. Sicherere historische und archäologische Fundstücke haben tatsächlich in den höchsten Punkten der Hügel von Cortona sehr alte Siedlungen der Villanova vor der Eisenzeit bestätigt.
Wenn wir historische Epochen in Betracht ziehen, die mehrere Spuren hinterlassen haben, ist die etruskische Zeit besonders wichtig; es handelt sich dabei um eine Zeit, die uns eine Zyklopenmauer hinterlassen hat, die selbst heute immer noch anzusehen ist, obwohl sie im Mittelalter und in der Renaissance renoviert worden ist. CortonaIn der etruskischen Welt hat Cortona eine wichtige Rolle gespielt, weil diese Stadt eben eine der zwölf Lucumonie war und zwar eine der einflussreichen Städte des etruskischen Verbands. Auch wenn Cortona im Vergleich zu anderen Städten wie Chiusi, Orvieto and Perugia keine wichtige militärische Rolle gespielt hat, war es eine besonders wichtige kirchliche Stadt. Bedeutungsvoll sind die Fundstücke, die am Fuße der Hügel von Cortona und in den kürzlich aufgefundenen Gräbern entdeckt worden sind. Aufsehen haben einige der letzten Funde erregt, wie zum Beispiel der goldene Leichenausstattung von Melone II del Sodo und die Tabula Cortonensis und zwar eine mit wachs eingeriebene goldene Platte, deren Inschriften für das Studium der etruskischen Sprache und Kultur eine wichtige Bedeutung haben.
Nach dem Untergang der Etrusker gehörte selbst Cortona der römischen Ausdehnung an, wobei die Römer mit der Axialverschiebung der Hauptstraßen die gesamte städtische Struktur verändert hatten, was heutzutage immer noch anzumerken ist. Die von Norden nach Süden orientierte Cardo-Achse erstreckt sich heute von Via Dardano bis zu Via Guelfa, während die von Western nach Osten orientierte Decumano-Achse Via Roma und Via Nazionale oder Ruga Piana einschließt; anstelle des Forums sind heute Piazza della Repubblica und das Rathaus. Im römischen Zeitalter übte Cortona eine strategische Kontrolle über das fruchtbare Land der Valdichiana, einen der römischen Getreidespeicher. Während des Zweiten Punischen Krieges ging Annibale Barca gerade über Cortona gegen das verhasste Rom, indem er 217 v. Chr. durch den Plünderzug und die Zerstörung der Ernten die Legionen des Konsuls Flaminius in einer der schlimmsten Niederlagen des Römischen Reiches nämlich der Trasimeno-Schlacht angezogen hatte. Von oben konnte Cortona die ganze Vernichtung der Legionen hinuntersehen, die während Ihres Vorrückens gegen den Trasimeno-See bei der Verfolgung der Karthager in einen Hinterhalt geraten worden sind. Wie Titus Livius und Plutarcus geschrieben haben, war der Konsul selber bei dieser Schlacht ums Leben gekommen.
Cortona machte aufgrund des Niedergangs des Römischen Reiches eine schwere Zeit durch, aber es hat vom römischen bis zum mittelalterlichen Zeitalter zum neuen Leben erstanden und die Zeit der italienischen Stadtstaaten war selbstverständlich seine Blütezeit. Da eine starke zentrale Macht genauso wie diejenige von Rom in Mittel- und Norditalien benötigt wurde, blühten viele Städte unterschiedlicher Größe, die von einer ganz neuen Regierungsform gekennzeichnet wurden. Diese neue Regierungsform beruhte auf einem örtlichen Regierungssystem, dessen Hauptrolle von den unteren Ständen gespielt wurde. Es sind also neue Arten von Selbstregierungen, die mit selbstständigen wirtschaftlichen Handelsstrukturen eine Antwort auf die Feudalherrschaften geben wollten, so dass diese selbst von den oberen Behörden von offizieller Seite her wieder anerkannt wurden. Auf diese Art und Weise konnten die Städte wieder blühen und Cortona war selbstverständlich ein Beispiel dafür. Sie hatten ihre eigene Währung, neue Gebäude, wie beispielsweise die für die Stadtverwaltung bestimmte Kernstruktur des Rathauses. Demnach wurde auch der Städtebau verwandelt, indem man versucht hatte, den römischen Aufdruck abzuändern: Bei der Stadtplanung wurden neue Abwehrmaßnahmen ergriffen; die Biegung der Cardo- und Decumano-Achse wurde vergrößert, so dass die Stadt selber die Form eines Wirbels annehmen konnte, die beim Angriff eine bessere Verteidigung ermöglichte. Zum ersten Mal wurde sogar die Kernstruktur der etruskischen Mauer abgeändert. Dass Cortona von diesen Jahren bis zur Renaissance eine wichtige militärische Rolle gespielt hatte, konnte man von den Stellungsnahmen der naheliegenden Städten entnehmen. Die ghibellinische Kleinstadt Cortona hat mehrmals die guelfische Stadt Arezzo herausgefordert, auch wenn sie nicht immer erfolgreiche Ergebnisse erreiche konnte. In der Geschichte der Stadt ist diese aber nur eine Übergangsphase, die seinen religiösen und mystischen Ruhm nicht trüben konnte: Spuren der Heiligen wie San Francesco, der die Klause der Klosterzellen begründet hatte, Frate Elia, der der erster Jünger von San Francesco gewesen ist, San Leone Magno, der gerade in Cortona geboren wurde und Santa Margherita und zwar die Schutzheilige von Cortona, die aus der Nähe von Siena kam und die von der Stadt Cortona herzlich empfangen wurde, als sie nach dem Tode ihres Mannes, eines Edelmannes aus Montepulciano, ihr restliches Leben in Cortona verbrachte, um den Armen und den Bedürftigten zu helfen. In Cortona war sie wegen ihrer Wunder sehr beliebt. Sie begründete deswegen das erste Barmherzigkeitskrankenhaus. Ihre verehrungswürdige Leiche wird heute in der über die Stadt herrschende gleichnamige Basilika erhalten. Für die Einwohner von Cortona ist diese Schutzheilige wegen der Unversehrtheit der Stadt vor den vergangenen Naturkatastrophen und den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges sehr bekannt.
1325 begann in Cortona das Zeitalter der Signoria, als die Dynastie der Casali an die Macht gelangte. Ihre Herrschaft dauerte 84 Jahre und vielen bekannten Künstlern wie Beato Angelico wurde in diesem Zeitabschnitt die Möglichkeit gegeben, in Cortona zu arbeiten. Infolge eines im Jahre 1409 stattgefundenen Aufstandes endete die Dynastie der Casali, wobei die Macht an Ladislao aus Neapel erteilt wurde, der die ganze Stadt mit allen ihren Besitzungen der Florentinischen Republik für 60.000 Gulden verkaufte, so dass die Stadt Cortona keine gewisse Selbstständigkeit mehr genießen konnte, weil sie eben nun mehr unter dem florentinischen Einfluss stand. Seit 1531 gehörte Cortona mit dem Aufstieg der florentinischen Signoria der Medici zu der Renaissance, indem diese Stadt halbwegs zwischen Arezzo und Siena einerseits und der Grenze mit dem Kirchenstaat am Trasimeno-See andererseits dank seiner strategischen Lage für ein wichtiges kulturelles Zentrum stand. Der Städtebau wurde von den Medici nochmals renoviert, denn die mittelalterlichen Ortschaften der Stadt Cortona zerstört wurden, so dass neue Gebäude aus der Renaissance aufgebaut worden sind, um neue Abwehrmaßnahmen zu ermöglichen; was auf die massive Einführung der Schusswaffe zurückzuführen war, in Anbetracht des Befestigungswerks, das San Gallo auch für andere mediceische Städte ausgeführt hatte. Deshalb wurde die mittelalterliche Mauer umgebaut und zwar die Basteien neben den Toren wurden befestigt und die über die Basilika von Santa Margherita herrschende Fortezza del Girifalco wurde gemäß dem Entwurf von Antonio da Sangallo aufs Neue aufgebaut. Es sind nicht nur die kriegerischen Bauwerke aus der Renaissance, die Cortona bereichern, sondern auch die Werke der wichtigsten Vertreter der Kunstgeschichte wie zum Beispiel Francesco di Giorgio Martini, der die wunderschöne Kirche von Santa Maria delle Grazie al Calcinaio geplant hatte und viele andere international bekannte Künstler wie Luca Signorelli oder Pietro Berrettini, genannt „Il Cortona“. Man kann die Werke dieser Künstler entweder in beiden erstaunlichen Stadtmuseen, das Diözesanmuseum und das Museum der Etruskischen Akademie oder in den in Cortona befindlichen verschiedenen Kirchen bewundern.
Obwohl Florenz nun mehr einen immer grösseren Einfluss auf diese Stadt ausübte, spielte Cortona immer noch eine wichtige kulturelle Rolle; es erlebte intensiv die Aufklärung, die mit der Entstehung der Etruskischen Akademie den Gipfel erreichte; bei diesem Institut handelt es sich heutzutage um ein bedeutungsvolles Forschungszentrum für das systematische und methodische Studium der italienischen Altertümlichkeiten, das damals genauso wichtig war wie die florentinischen Akademien. Nach dem Untergang der Medici, fügte sich Cortona in das Schicksal der gesamten toskanischen Region, indem es unter der Herrschaft des österreichischen Hauses der Lorena stand, die genauso wie die Medici während der Aufklärung für eine reformerische und liberale Regierung standen, weil sie zuallererst die Todesstrafe in Toskana abschafften, das Moor der Valdichiana urbar machten und die Handelsbeziehungen und das Zivilleben förderten. Es war also eine neue Blütezeit für Cortona, das zur Schau vor dem Obskurantismus des Kirchenstaates ausstellte.
Im 19. Jahrhundert und insbesondere während des italienischen Risorgimento schloss sich Cortona im jahre 1860 zusammen mit der toskanischen Region dem italienischen Königreich an und wurde zu einem italienischen Stadtstaat mit einem der größten Verwaltungsbezirke in Toskana. 1833 wurde in Cortona Gino Severini und zwar einer der wichtigsten Künstler des Futurismus geboren, der nur in Frankreich seine künstlerische Ader zum Ausdruck bringen konnte, weil er von den Schulen des italienischen Königreiches wegen eines Diebstahls der Staatsprüfungsproben verwiesen wurde. Einige Werke dieses Künstlers sind in Cortona im Museum der Etruskischen Akademie, im Mosaik des Kreuzweges von Piazza Garibaldi bis zur Basilika von Santa Margherita und in der Musivarbeit an der Fassade der Kirche von San Marco.

 

Veranstaltungen:

o Volksfest: Sagra della Bistecca (am 15. August)
o Verkaufsausstellung des antiken Möbelstückes (September)
o Ausstellung der Kupferarbeiten (März)
o Historische Veranstaltung des Archidado (April)
o Tuscan Sun Festival (August – September)

 

CortonaDas Museum der Etruskischen Akademie

Das Museum der Etruskischen Akademie befindet sich im Palazzo Casali, dem Wohnsitz der Herrscher von Cortona im 14. Jahrhundert und bietet dem Besucher die Möglichkeit an, sich erstaunliche Kunstschätze und Sammlungen anzusehen, die trotz geringer Größe mit anderen in den Großstädten befindlichen Museen zu vergleichen ist.
Der ursprüngliche Kern des Museums geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Die Gründung der Etruskischen Akademie für das Studium der italienischen Altertümlichkeiten kann später festgelegt worden. Im Laufe der Jahre hat sich das Museum dank der Beschenkungen und besonders der um Cortona herum entdeckten archäologischen Fundstücke vergrößert.
Im Museum kann man sich nicht nur die von Monsignore Corbelli im Laufe des 19. Jahrhunderts gesammelte wunderschöne ägyptische Kollektion anschauen, die die auf das Zeitalter der Dynastien der Mittlere Zeit zurückgehenden Mumien und heiligen Gegenstände einschließt, sondern auch die Etruskischen Kollektionen, die sowohl die Bronzehängelampe als auch die letzten Funde beinhalten, wie zum Beispiel die goldene Leichenausstattung von Melone II del Sodo und die Tabula Cortonensis und zwar eine mit wachs eingeriebene goldene Platte, deren Inschriften für das Studium der etruskischen Sprache und Kultur eine wichtige Bedeutung haben.
Man sieht sich auch die römische Kollektion, die Gemälde von Signorelli und Berrettini und die futuristischen Werke von Gino Severini an. All das wird in einem der eindrucksvollsten Paläste aus Cortonas Mittelalter ausgestellt.
Im Erdgeschoss ist eine sehr wichtige Bibliothek mit 22.000 Bücher, 1.172 Pergamente und 133 Wiegendrucke; darunter hebt sicherlich der Laudario Cortonese ab und zwar einer der ersten Exemplare für geistliche Lieder in italienischer Sprache.


CortonaDas Diözesanmuseum

Das Diözesanmuseum befindet sich in den Räumen aus dem 16. Jahrhundert, die in der Kirche und im Oratorium vom Jesus vor dem Dom sind. Dieses Museum bietet die Möglichkeit an, sich nicht nur eine große Sammlung von Kunstwerken sondern auch die Architektur und die Verzierungen des Ausstellungsgebäudes anzusehen.
Sehenswürdig sind viele Meisterwerke wie die Tafel der Verkündigung von Beato Angelico und auch die Werke wichtiger Künstler wie Pietro Lorenzetti, Bartolomeo della Gatta und Luca Signorelli, die in Cortona gearbeitet haben, und die Skizzen des Kreuzweges von Gino Severini. Außerdem umfasst das Museum eine einzige vollständige Kollektion von Kirchengeräten und kirchlichen Goldschmiedekunststücken, die auf die wichtige Rolle hinweisen, die die Diözese von Cortona seit 1325 gespielt hat.
Neben dem Museum befindet sich eine sehenswürdige Gasse genannt Via del Gesù, die eine besondere architektonische Struktur hat, die aus den typischen mittelalterlichen Holzhängeboden besteht.

 

Rundgang 1 :
Cortona
(11 km - 15 Minuten)
Rundgang 2:
Trasimeno-See
(20 km - 15 Minuten)
Rundgang 3:
Die Renaissance des Geschmacks
(20 km - 30 Minuten)

 

Agriturismo AGRO CENTORIO, Tuscany Italy - Loc. Centoia n° 145 - 52044 Cortona (AR)
 
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